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“Durst ist schlimmer als Heimweh” —
Aug 10, 2012
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Steven Holl: Casino Knokke

“…Zuerst bin ich schwerfällig, denn ich sacke im Sand ein, aber unten am Meer ist der Boden fest und weich zugleich. Es dämmert und die Trägheit des Abends lässt das Schlagen der Wellen langsamer erscheinen. Kein Wind weht.

Die Sonne ist bereits untergegangen und Meer und Himmel leuchten noch einmal in einem schönen satten Blau auf bevor es endgültig Nacht wird. Es ärgert mich, dass niemand da ist, dem ich auf die Schulter hauen könnte und ich beschließe, eine Telefonzelle zu suchen. An der Strandpromenade bei dem Hotel Carlton steht eine. Auf dem Weg dorthin fällt mir ein, dass ich die Vorwahl von Deutschland nicht weiß und kaum Kleingeld dabei habe. Ich mag nicht mehr telephonieren sondern will zurück in das Café. Es sind jetzt weniger Gäste da und mein Platz ist noch frei. Ich setze mich aber näher an die Hauswand. Mein Blutdruck sinkt. Ich weiß nicht, ob das an den Heizstrahlern liegt, die auf meinen Kopf brennen oder an einem Sauerstoffschock. Vielleicht brauche ich auch Vitamine; deshalb bestelle ich mir einen frischgepressten Orangensaft. Die blauen Augen des Kellners rutschen zusammen, sein ganzes Gesicht wird unscharf und zu eine einzigen rosa Kreis mit blauen Eiern. In meinem Kopf entsteht ein Vakuum, alles sackt in sich zusammen. Mein messerscharfer Verstand ist zu einer Endlosschleife kurzgeschlossen und schleift sich stumpf. Immer bösartiger wird der Inhalt meiner Gedankenfetzen.

Mit einem energischen “nun ist aber Schluss” reiße ich mich wieder zusammen und straffe meine Haltung. Ich will eine Zigarette rauchen und bemerke erst, als ich zum Päckchen greife, dass ich noch eine in der Hand halte. Außerdem ist die Packung leer und das Glas auch. Dann soll mir der Kellner ein neues bringen, denke ich mir und gebe ihm ein Zeichen. Als er vor mir steht, bin ich wieder glasklar im Kopf und will zahlen. Die Summe, die er mir nennt, erscheint mir zu hoch, aber noch ist es mir zu anstrengend, über die Währung nachzudenken. Doch ich misstraue dem Kellner und verweigere ihm das Trinkgeld. Durch das Café kann ich direkt das Hotel betreten und mit dem Fahrstuhl zu meinem Zimmer fahren.” — Martin Kippenberger, “Wie es wirklich war am Beispiel Knokke” (1984)

Aug 4, 2012
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Aug 4, 2012
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Aug 4, 2012
“And as Orvil screamed he knew that he could not stop, that he had been working up to this scream all his life. Through his madness spoke these very clear thoughts, ‘Now they’ll never touch you again. You can be mad for the rest of your life, and they’ll leave you alone.’ [But] with a gruesome clearness he saw that nothing changed. It was still necessary to behave in the ordinary way.” —In Youth Is Pleasure, Denton Welch, 1945
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